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Budapester Zeitung, Dienstag, 19. Oktober 2010
Dritte Donau-Konferenz in Brüssel - Von Gabriella Bassu,
"Die Donau braucht keine EU-Bürokratie"

"Wir verstehen, dass die Donau im Kleinen widerspiegelt, was die Europäische Union im Großen auszeichnet: in Vielfalt geeint zu sein", so Johann-Jakob Wulff von der Andrássy-Universität Budapest. Der Chemieunfall im ungarischen Kolontár beweist: die Natur kennt keine Staatsgrenzen. Eine engere Kooperation im Donauraum ist deshalb nicht nur wünschenswert, sondern auch notwendig. Auf der dritten Donau-Konferenz kürzlich in Brüssel stand genau dieses Thema zur Diskussion.

Die Donau fließt durch 14 Staaten. Der Fluss wirkt als Bindeglied zwischen den Ländern, wirft er doch gemeinsame Probleme auf und schafft zugleich neue Chancen. Die Donau-Strategie der Europäischen Union will die wirtschaftlichen und sozialen Potenziale der Region durch Zusammenarbeit jenseits staatlicher Grenzen nutzen und Aufgaben gemeinsam lösen. 2010 betraute der Europäische Rat die Kommission, eine eigene Strategie zu entwickeln. "Die Donau braucht keine EU-Bürokratie". Mit diesen Worten provozierte der Vertreter der Andrássy Universität Budapest, Johann-Jakob Wulff, das Plenum in Brüssel zunächst. Ein gängiges Vorurteil gegenüber der EU ist tatsächlich der Zweifel am Nutzen ihrer Entscheidungen. Die Donaustrategie soll das genaue Gegenteil verkörpern, denn sie sieht schlanke Bürokratie und kürzere Wege vor, wobei sie sogar auf zusätzliche Gelder verzichtet.

Der aktuelle Konferenztitel "Future of the Danube Area" ist Name und Programm: Zur Debatte standen Ideen für die Bereiche Um­weltschutz, Wirtschaft, Politik und Bildung. Zum dritten Mal lud die Landesvertretung Baden-Württemberg in Brüssel deshalb Vertreter verschiedener Donau-Anrainer zum Dialog ein. Sie betonte besonders die Bedeutung Ungarns für die Umsetzung der Strategie: "Große Hoffnungen begleiten die ungarische Ratspräsidentschaft bezüglich ihrer aktiven Rolle bei der Verwirklichung der Donau-Strategie", so ein Vertreter des Bundeslandes. Läuft alles nach Plan, wird die Endfassung und Verabschiedung der Strategie mit der ungarischen Präsidentschaft im Europäischen Rat zusammenfallen und damit Ungarn die Chance eröffnen, eigene Impulse zu geben.

Grenzübergreifende Zusammenarbeit statt Alleingang

In verschiedenen Arbeitsgruppen entwickeln Politiker und Experten Handlungsempfehlungen für die Themen Umwelt, Gewässerschutz, Energie und sozioökonomische Entwicklung. Um die Ziele zu erreichen, müssen Projekte im Alleingang grenzübergreifender Zusammenarbeit den Vortritt geben. "Vernetzung" ist hier das Schlagwort - auch die Bereiche Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft sollen sich austauschen. "Ungarn könnte sich insbesondere bei den Themen Gewässerschutz, Minderheitenfragen und wirtschaftliche Zusammenarbeit einbringen", so Wulff.

Verbindung der Donauländer durch Hochschulnetzwerk

Der 25-jährige Student, deutscher Staatsbürger und glühender Europäer, steht mit seinem Projekt für einen Wissenschafts- und Bildungsraum in der Donauregion ein. Er vertrat auf der Konferenz die Positionen der jungen Generation. Der Grundstein seines Projektes liegt in Budapest: An der Andrássy-Universität hat die Strategie mit dem dort ansässigen "Donauinstitut" unter der Leitung von Frau Prof. Ellen Bos bereits ein Gesicht bekommen. Gemeinsam mit seiner Kommilitonin Juliane Gierach entwarf Wulff dort die Idee eines Hochschulnetzwerkes, das Donauländer auf bildungs- und zivilgesellschaftlicher Ebene verbinden soll. Im Mittelpunkt stehen der Studentenaustausch, neue Studieninhalte, Sprach- und Kulturprogramme. Das Engagement zahlt sich aus: "In Brüssel sind mehrere unserer Ideen auf sehr positive Resonanz gestoßen, obwohl ich im Vergleich zu den anderen Teilnehmern eher ein Exot war", sagt Wulff. Zur folgenden Konferenz, auf der Wulff seine Ideen präsentieren kann, wird er übrigens keinen so weiten Anreiseweg haben: Das zweite Treffen der jungen Verfechter einer Donaustrategie, das "Young Citizen Danube Network", findet im Dezember in Budapest statt.